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Hier finden Sie die neuesten Nachrichten aus dem Friedensprozess direkt aus Havanna, Kuba. Dauerhaft aktualisiert.

Gender-Perspektive bei der FARC-EP und im Friedensprozess

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In Bogotá fand am 13. und  14. Februar ein Symposium zur „Umfassenden Agrarreform“ statt, in der über die Herausforderungen für die Friedensförderung an der Fakultät für Krankenpflege an der Nationaluniversität diskutiert wurde. Ein wichtiger Punkt war das Thema der Frauen bei der Umsetzung des Friedensabkommens und bei der Agrarreform. Dazu debattierten unter anderem Carmenza Gómez, Präsidentin von ANZORC, Patricia Jaramillo, Professorin an der Nationaluniversität, Olga Lucía Marín, Guerillera der FARC-EP und Raquel Méndez, Repräsentantin für die Universidad Industrial de Santander, die als Moderatorin fungierte.
 
Die drei Diskussionsteilnehmerinnen skizzierten die Komplexität der Situation der kolumbianischen Frauen in den ländlichen Gebieten und die Herausforderungen in der Transformation. Drei Punkte waren für Patricia Jaramillo besonders wichtig in der Diskussion: Die Bedingungen auf dem Land, die Unfähigkeit einen Landtitel für Landerwerb zu bekommen und die Krise des bewaffneten Konfliktes. Mittels Zahlen gab es eine Analyse über die Bedingungen des Lebens der Bevölkerung auf dem Land, vor allem die der weiblichen Sektoren sowie deren Einschränkungen bei der Ausübung der politischen Partizipation.

Sie erklärte, wie Frauen aufgrund ihres Geschlechts besonders bei den langen Arbeitszeiten, mit wenig oder gar keiner Bezahlung, benachteiligt werden.  Sie hob die Rolle des Gender-Unterausschusses am Verhandlungstisch von Havanna hervor. Zum ersten mal in einem Friedensprozess wurde die Gender-Perspektive in einem Abkommen zwischen der Regierung und der FARC-EP festgelegt. Gleichzeitig verurteilte sie die Position der Nein-Kampagne und die Falschinformationen, in denen  die Frauen bei ihren Kämpfen um ihre Rechte verspottet und angegriffen wurden.

Carmenza Gómez thematisierte auch die Situation der Frauen in den ländlichen Gebieten in Kolumbien. Dabei kam sie auf die weiterentwickelten Strategien von ANZORC zu sprechen, bei der Organisierung der Gemeinschaften und ihrer Frauen in Programmen beim Ersatz von illegalen Drogenpflanzungen, in der Verteidigung ihrer Gebiete oder weibliches Empowerment unter anderen Themen.

Sie betonte die Auswirkungen des Krieges, die Bedrohung durch Bombardierung und Gefechte und sprach auch von Flucht und Vertreibung, wo Frauen anteilig am höchsten betroffen sind. Dies allerdings ist nicht nur die Ursache des bewaffneten Konflikts, sondern auch durch die prekäre wirtschaftliche, politische und soziale Situation, die weiterhin besteht. Sie zeigte ebenfalls die Gefahr des Paramilitarismus an, denen Frauen ausgesetzt sind. So werden vor allem weibliche soziale Anführerinnen bedroht.

Olga Lucía Marín, die als Guerillera Teil des  Mechanismus der Überwachungs- und Überprüfungskommission ist, sprach über die Situation der Guerillafrauen im aktuellen Szenario der Konzentration der Guerillaeinheiten in den Übergangs- und Normalisierungszonen. Anhand konkreter Beispiele zeigte sie, dass die Verstöße gegen das Abkommen der Regierung eine Folge des Nichtvorhandenseins des Staates in den ländlichen  Gebieten ist und die Rückständigkeit so groß ist, dass es nicht nur die Guerilla, sondern auch die kolumbianischen Bauern im Allgemeinen betrifft.

„Es ist nicht nur eine Frage der Straßen…“, sagte die Genossin und sprach von den Bestrebungen der FARC-EP mit dem Friedensprozess und der Wichtigkeit der Erfüllung des Vereinbarten. Sie lenkte die Aufmerksamkeit auf die Art und Weise, wie die Medien sich dem Thema der Frauen in der Guerilla und dem „Baby-Boom“ annehmen. So berichteten diese über die Bedingungen der schwangeren und stillenden Guerilleras  und dass der „Baby-Boom“ die Blüte der Liebe in der Guerilla sei. Sie machte klar, dass es Liebe in der Guerilla schon immer gegeben hat und nur durch den Krieg konnten keine Babys geboren werden. Manchmal geschah es dann doch und die Organisation nahm sich diesem Fakt in der bestmöglichen Weise an.

Wie wichtig das Thema Frauen und Gender in der Guerilla ist, zeigt auch ein anderes Beispiel. Einheiten aus den verschiedenen Blöcken der FARC-EP nahmen am ersten großen Workshop zum Thema Frauen und Gender in La Elvira in der Gemeinde Buenos Aires in der Provinz Cauca teil. Dieser zehntätige Workshop befasste sich mit unterschiedlichen Elementen wie Begriffserklärung des Feminismus, Patriarchat und den verschiedenen Rollen und Stereotypen, über die historischen Kämpfe der Frauen, kulturelle Eigenheiten und Diskriminierungen bis hin zu den Umsetzungen der Friedensvereinbarungen im Kontext der Frauen und zur zukünftigen Rolle der Frauen in Kolumbien. Dabei spielte auch die Kommunikation mit anderen Organisationen in Kolumbien eine wichtige Rolle.
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