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Die Pläne der FARC mit dem Fußball

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Auch inmitten des Krieges fehlte der Sport nicht in den Reihen der FARC. Nach einem Marsch durch die Berge und die Bergketten war es üblich, dass die Guerilleros einen Raum aus ihrer Militärroutine heraus nahmen, um Volleyball, Fußball oder Schach zu spielen. In dieser Zeit hatten sie nicht die Idee, ihre Uniform durch das Trikot der Mannschaften zu tauschen, die sie immer bewundert hatten. Aber heute, wenn man in einer der 26 Wiedereingliederungszonen für ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer ist, dann ist es üblich, einige Männer und Frauen anzutreffen, die in kolumbianischen Trikots der VereineAtlético Nacional, Millonarios, Santa Fe, América oder auch von Real Madrid oder Barcelona herumlaufen.

Das zeigt die Leidenschaft für den Fußball, die Mitglieder des FARC
haben und damit auch die Relevanz offenbart, die derZentrale Generalstab und das Sekretariat in Zeiten des Postkonfliktes den Fragen der Kultur und des Sports widmen. Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens wurde José Vicente Lesmes, alias Wálter, zum Verantwortlichen dieser Fragen ernannt und es war just in jenem Augenblick, als die Idee, eine Fußballmannschaften zu schaffen, geboren wurde.

Von diesem Moment an begann Wálter,
mit Unterstützung von Personen außerhalb des FARC, über Sportprojekte Kenntnisse zu sammeln. Und dann traf er mit Edgar Cortés zusammen, einem ehemaligen Leiter von Independiente Santa Fe, der auch Mitglied der M-19 war. Das erste Mal, als sie sich trafen, war es in La Elvira, Cauca, wo sie über die Möglichkeit der Schaffung eines Sportprojekts sprachen, das als Mittel zur Integration in das zivile Leben dienen könnte.

Icononzo,
in Tolima, wurde als die Konzentrationszone ausgewählt, in der ein Pilotprojekt durchgeführt werden sollte und eine Fußballmannschaft entstehen würde. „In dieser Zone gibt es etwa 300 Personen, von denen mit 30 vereinbart wurde, mit einem Trainer zu trainieren, den wir beauftragten, um sie vorzubereiten“, sagt Edgar Cortés, der seinen Freund, den ehemaligen Fußballer Astolfo Romero eingeladen hat, diese Gruppe von Männern und Frauen zu trainieren und die sich jeden Tag am Nachmittag in einer Schule der Gemeinde Icononzo treffen, die ihnen das Fußballfeld zur Verfügung stellte.

Astolfo ist ein bekannter Zentralverteidiger
aus Buenaventura, der zu seiner Zeit als Fußballspieler Teil der kolumbianischen Fußballnationalmannschaft war und in mehreren Klubs der ersten Liga wie Deportes Quindío und Deportivo Cali spielte. Unter seinen großartigen Errungenschaften zählte, als er 1982 zum Team „Die Übriggebliebenen der Welt“eingeladen wurde, in dem er mit Spielern wie Zico, Falcao Junior, Sócrates und Pelé teilnahm. Hierzu zählte auch Diego Armando Maradona, der an diesem Spiel wegen persönlicher Probleme aber nicht teilhaben konnte.

Diejenigen, die mit ihm trainieren, sind zwischen 23 und 30 Jahre alt. Keiner kann ein Profifußballer werden, aber das, was
für diese Gruppe gesucht wird, ist eine Basis von Trainern zu schaffen, die in der Zukunft beginnen können, Teil eines sozialen Projekts zu werden. In dem Projekt sollen neue Talente in den Zonen des Landes entdeckt werden, die stark vom Krieg betroffen waren. Die Idee ist, dass dieses Pilotprojekt, das in Tolima entwickelt wird, auf die 26 Wiedereingliederungszonen erweitert werden kann, in denen die ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer der FARC sind.

Aktuell gibt es in den anderen Zonen auch sportliche Aktivitäten, die auf Initiative der Mitglieder des FARC durchgeführt werden, aber nicht Teil des Kultur- und Sportprojekts sind. „Was am meisten gespielt wird, ist Fußball, aber es gibt auch Leute, die sich für Leichtathletik und Volleyball interessieren. Wenn sie spielen, tun sie es, um Spaß zu haben und die Zeit zu verbringen. Vorher, mitten im Krieg, haben sie auch diese Art von Sport gemacht, aber jetzt tun sie es mit der Ruhe und Gewissheit, dass es keine Kämpfe geben wird. Deshalb sehen sie fröhlich und sehr motiviert aus“, sagt eine Person dieser Zeitung, die die Zonen der Wiedereingliederung besuchte.

Dass sie hinten vorm Tor alle hinter dem Ball herlaufen ist Geschichte. Nun haben sie verstanden, dass es einige Positionen auf dem Fußballfeld gibt und dass, genau wie es eine Strategie im Krieg gibt, diese auch im Fußball existiert. Das sind Wiederholungsprozesse. Fußball spielen beinhaltet sich diese Prozesse merken und es ist nicht nur die Fähigkeit mit dem Ball“, sagt Cortés.
Nein zum Profifußball

Das Projekt der FARC im Fußball beinhaltet nicht die Idee, auf kurze Sicht immer in Turnieren der ersten oder zweiten Liga in Kolumbien beteiligt zu sein, wie es mal gesagt worden ist. „Was wir wollen, ist, die Aufgabe von unten zu beginnen, ich meine mit Amateurfußball. Zuerst wollen wir Teams bilden, die im sportlichen Wettstreit konkurrieren können, dann ist es uns möglich, dass wir uns in den Regionalligen einschreiben und so nach und nach als Sportinstitution wachsen“, sagt Edgar Córtes, der sich bewusst ist, dass dieser Prozess mehrere Jahre dauern könnte. „Wir müssen einen Prozess starten, den mehrere Vereine in Kolumbien gemacht haben. Manche haben bis zu 50 Jahre an der Basis gearbeitet und haben noch keinen Sprung zum Professionalismus gemacht. Wir müssen Schritt für Schritt gehen und die regulären Wege respektieren.“

Und natürlich sind die meisten Veteranen der FARC bereits über 20 Jahre alt, was so den Prozess der Ausbildung im Breitenfußball schwieriger scheinen lässt, weil im Amateurbereich bei den Turnieren unter-20jährige die Normalität sind. Deshalb ist es ein soziales Projekt für die Zukunft. Die Idee ist, dass Fußball-Schulen in gefährdeten Regionen entstehen, die vom Konflikt betroffen waren und wo die Beteiligten nicht nur aus der Guerilla sind, sondern Zivilisten.

„In diesen Gebieten gibt es ein Konglomerat von Menschen in Altersbereichen, die wir brauchen, um unsere Schulen zu bilden. Es gibt viele Leute, die nicht die Möglichkeit haben, in Schulen zu trainieren, weil sie keine Ressourcen haben. Wir wollen eine Alternative für sie sein. Deshalb wissen wir, dass es eine lange, ernste und vernünftige Arbeit ist“, betont Cortés.

„Es gibt Situationen, die schief geraten sind. Wir hatten einen Stein im Schuh, das war die Nachricht, als selbstverständlich gesagt wurde, dass die FARC bereits ein Team und einen Platz hatten, um am Profifußball teilzunehmen. Alles war eine große Lüge. Das Team von La Paz FC hat nichts mit der FARC zu tun. Herr Félix Mora wurde als FARC-Sprecher vorgestellt, aber er hatte zu keinem Zeitpunkt die Order darüber zu sprechen, geschweige denn Beiträge im Namen dieser Organisation zu tun. Dieser Mann ist ein großer Narr“, sagt der Sprecher des Fußballs der FARC, der versteht, dass es aus diesem Grund eine gewisse Apathie seitens der Fußball-Führung gibt.

Jedoch sagte er, dass es in den kommenden Tagen ein Treffen zwischen José Vicente Lesmes und den Präsidenten der kolumbianischen Fußballverbände DIMAYOR und Difútbol geben wird, um diese Fragen zu klären.
 
„Diese Annäherung tun wir nicht deshalb, weil wir die geringste Absicht haben, uns ein Zeichen zu geben oder so ähnlich. Wir suchen einfach Transparenz und dass die Führung des Fußballs in Kolumbien sich unserer wahren Absichten bewusst ist. Dies ist ein langfristiges Projekt, das dem Land helfen will.“
 
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