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Es gibt Dissidenten als Konsequenz der Nichterfüllung

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Mauricio Jaramillo, einer der Führer der Nationalen Direktion der Partei Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes (FARC) gab ein Interview mit der Tageszeitung El País. Darin bemängelte er die schleppende Umsetzung des Friedensabkommens, welches im vergangenen November unterzeichnet wurden und keine Bewegung hat. Dazu sagte er, dies sei vielleicht einer der Gründe, warum Männer und Frauen aus der Organisation FARC begonnen haben, diese zu verlassen.

Großes Thema in der letzten Woche war auch die Besetzung der Mitgliederlisten der FARC, die von der ehemaligen aufständischen Organisation und der nationalen Regierung akkreditiert werden. Hier kam es zu Debatten, weil angeblich Personen von kriminellen Strukturen auf der Liste erschienen sind. Allerdings beharrt Jaramillo darauf, dass die bisherige Arbeit „vernünftig und verantwortlich“ gewesen sei.

Auf die Frage, wie viele Personen noch im Gefängnis sind und bisher nicht vom Amnestiegesetz profitiert haben, antwortet Jaramillo, dass bisher rund 1100 noch in den Gefängnissen sind. Rund 350 politische Gefangene befinden sich in Mesetas, einer der Friedenszonen, in der ein Großteil der politischen Gefangenen konzentriert und auf das zivile Leben vorbereitet wird. Das sind also rund 1500 Gefangene, die eigentlich längst in Freiheit sein müssten.

Verantwortlich dafür macht Jaramillo die Regierung, die ihr Versprechen nicht erfüllt hat. Deshalb ist die Umsetzung des Friedensabkommens sehr kompliziert. Es ist wichtig, das Land und die Öffentlichkeit über diese Situation zu informieren. Zum Prozess des Erstellens der Mitgliederlisten sagt er, dass diese Listen ein Ergebnis des Friedensabkommens sind. Die Listen sind von der FARC erstellt, aber auch der Regierung zur Überprüfung vorgelegt worden. Es ist ein transparenter Prozess.

Natürlich ist es aber schwierig, Mitglieder einer Organisation zu erfassen, die im Untergrund tätig war. Es wurden Daten von Strukturen aus den Gefängnissen und Informationen aus den Bergen gesammelt. Diese wurden zusammengeführt und mit der Regierung kontrolliert. Doch immer noch fehlen Personen in den Listen oder die Identifizierung ehemaliger Mitglieder, es ist ein schwieriges Unterfangen.

Immerhin handelte es sich bei der FARC um illegalisierte Strukturen, wo es Guerilleros, Milizionäre, und Unterstützer gibt. Es ist schwer, immer alle zu erfassen. Hier nennt er ein Beispiel: Diese Woche wurden wir von Kameraden besucht, die sagten: „Ich habe seit mehr als fünfzehn Jahren gekämpft, ich bin sehr alt und ich habe es nicht geschafft, mich als Kämpfer anerkennen zu lassen. Auch Genossen, die nicht verfolgt wurden oder irgendwer, kommen zu Besuch und grüßen uns. Ich will damit sagen, es gibt viele Leute außerhalb der Liste.“

Bei der Akkreditierung müssen alle Menschen, die auf der Suche danach sind anerkannt zu werden, einen Prozess der Identifizierung von Kommandierenden, der verschiedenen Kommissionen, FARC-Strukturen, Milizen und Unterstützer gehen. Jemand muss sie kennen und in vielen Strukturen sind leider zum Beispiel die Kommandierenden gestorben und es gibt einige Schwierigkeiten für andere Personen, weil die Bürgen fehlen und sie deshalb nicht auf unseren Listen stehen.

Unter den Personen auf der Liste waren auch 25 Kriminelle mit Verbindungen zum Drogenhandel. Dazu berichtet Jaramillo, er sei überrascht gewesen, dass dies veröffentlicht wurde. Denn normalerweise gibt zu diesen Fällen einmal oder zweimal pro Woche einen Tisch mit der Regierung und des Amtes des Hohen Kommissars für den Frieden. Er geht also von einer direkten Torpedierung des Friedensprozesses aus. Normalerweise sollen die Gespräche und Untersuchungen vertrauensvoll von statten gehen und beide Seiten haben ihren Anteil an diesem Prozess, hier legt man jedoch Wert auf eine Bloßstellung, obwohl die Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen war.

Im Interview kam man auch auf die Aussage von Ariel Ávila, ein Analytiker des Konflikts, zu sprechen, der meinte, dass es bereits in 40 Gemeinden des Landes die Anwesenheit von Dissidenten gibt. Hier antwortet Jaramillo, dass der Friedensprozess viele Unregelmäßigkeiten und viele Nichterfüllungen seitens der Regierung hat. Wenn es Dissidenten gibt, ist es eine Konsequenz all dieser Faktoren. Er kommt unter anderem auf die politische Gefangenen zu sprechen, die längst frei sein sollten. Doch es gibt immer noch 1.500 in den Gefängnissen.

Oder die Umsetzung der Agrarreform mit Land für die Bauern. Es gibt immer noch keine grundlegenden Änderungen bei dem Landbesitz und ihren Ungerechtigkeiten. Die Friedensvereinbarungen sind nicht für uns, die FARC, sondern für das kolumbianische Volk. Und diese Unzufriedenheit führt dazu, dass Personen sich entmutigen lassen und die Seite wechseln. Eine jener Personen ist wahrscheinlich Rodrigo Cadete, einer der politischen Freunde von Mono Jojoy. Er ist nun wohl zu den Dissidenten gegangen. Jaramillo meint, dass dieser Fall jedoch noch untersucht wird.

Sonst sagt er dazu, dass die FARC sich dem Friedensprozess verschrieben haben und an der Aufarbeitung mitwirken. Dazu gehört auch Lösungen für das Problem der Dissidenten zu suchen. Vorgängig müssen die sozialen Probleme des Landes gelöst und das Friedensabkommen umgesetzt werden, um damit Frustration und Enttäuschung vorzubeugen. Hier liegt es an der Regierung, ihre Ernsthaftigkeit zu zeigen. Die FARC machen bereits ihren Teil, um zukünftig mit einer politischen Partei das Land zu verändern.
 
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