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Hier finden Sie die neuesten Nachrichten aus dem Friedensprozess direkt aus Havanna, Kuba. Dauerhaft aktualisiert.

Probleme bei Wiedereingliederung der FARC

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Die Situation in Kolumbien in den sogenannten Wiedereingliederungszonen, wo sich ehemalige Kämpfer der FARC befinden, dort leben und arbeiten, ist immer noch prekär. Zwar wird in einigen Zonen gearbeitet und das scheinbar neue Alltagsleben der Guerilleros geht weiter, doch innerhalb der FARC rumort es. Zuletzt schrieben Joaquín Gómez und Bertulfo Álvarez einen offenen Brief an die Parteidirektive in der sie ihnen vorwerfen, die revolutionären Ideale zu verkaufen und sich mehr und mehr dem bürgerlichen Regime anzupassen. Dabei würden sie ihr eigentliches Ziel aus den Augen verlieren, den Kampf für die ehemaligen Kämpfer und die Umsetzung für das in Havanna vereinbarte Abkommen.

In den Medien gab es zuletzt Spekulationen, dass sich hochrangige ehemalige Kommandanten der FARC den dissidentischen Gruppen im Osten des Landes angeschlossen hätten. Diese haben das Ziel, eine neue Guerilla aufzubauen und sie gelten durch einige Charaktere als gut organisiert. Aktuell planen sie die Vernetzung der verschiedenen Gruppen unter einem einheitlichen Kommando. Doch Fabián Ramírez und Henry Castellanos teilten je in Briefen mit, dass sie nicht beabsichtigt hätten, sich aus dem Prozess der Wiedereingliederung zu entfernen. Stattdessen gaben sie Probleme bei der Wiedereingliederung, fehlende Unterstützung und vor allem die ungenaue Sicherheit für sie als Grund des nicht öffentlichen Auftretens an.

Immer noch nicht ganz klar ist die Situation bei Iván Márquez, der sich vor Wochen aus der Wiedereingliederungszone in Caquetá entfernte und sich nun an einem unbekannten Ort befindet. Auch bei ihm geht es um das Sicherheitsproblem. Durch die Festnahme von Jesús Santrich, ehemaliger Kommandant der FARC und Vermittler im Friedensprozess, und einer drohenden Auslieferung in die USA wurde den ehemaligen Aufständischen gezeigt, dass auch in Friedenszeiten jederzeit eine Verhaftung drohen kann, obwohl ihnen im Rahmen des Friedensabkommens politische, wirtschaftliche und vor allem juristische Sicherheit zugesagt wurde.

Die fehlende Umsetzung des Friedensabkommens ist überhaupt ein großes Problem und wird nicht nur von den dissidentischen Gruppen, sondern auch innerhalb der legalen FARC-Partei scharf kritisiert. Während die Entwaffnung und Registrierung der ehemaligen Kämpfer sehr schnell vonstattenging, dauert die Wiedereingliederung und die im Friedensabkommen vereinbarten Punkte wie eine Agrarreform, eine politische Reform oder Alternativen zu den illegalen Drogenpflanzen viel zu viel Zeit. Immer mehr Morde an FARC-Mitgliedern und Aktivisten aus der linken Opposition zeugen von einer neuen politischen Gewaltwelle, ohne dass die Regierung gewillt scheint, für Sicherheit zu sorgen und die paramilitärischen Strukturen zu bekämpfen.

In den über das Land verteilten Wiedereingliederungszonen, wo die Kämpfer nach ihrer Entwaffnung leben und arbeiten, gibt es weiterhin große Schwierigkeiten für die Verwirklichung ihrer Ziele. Es gibt enorme Schwierigkeiten bei der Infrastruktur, kaum Zugang zu Land zum Ausbau ihrer produktiven Projekte vor allem in der Landwirtschaft und es fehlt an politischer und wirtschaftlicher Unterstützung für ihre Kooperativen und der wirtschaftlichen Initiativen. Die bereits angesprochenen Bedrohungen und Morde an linken Aktivisten verunsichern auch die in den Wiedereingliederungszonen lebenden ehemaligen Kämpfer. Und somit schwindet weiter das Vertrauen in die Regierung und ihre staatlichen Sicherheitskräfte.
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