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Hier finden Sie die neuesten Nachrichten aus dem Friedensprozess direkt aus Havanna, Kuba. Dauerhaft aktualisiert.

Die Unstimmigkeiten in der Frage der Umsetzung des Friedensabkommens zwischen der FARC-EP und der Regierung nehmen zu. So verlangt die Guerilla eine Neuorientierung beim zeitlichen Rahmen der Niederlegung der Waffen. So fehle es immer noch an adäquaten Bedingungen für diesen Prozess. Obwohl die Regierung behauptet, dass die Bedingungen in den transitorischen ländlichen Normalisierungszonen und –punkten genügend sind, erklärte die FARC-EP in dem offenen Brief an den Repräsentanten der Vereinten Nationen, Jean Arnault, dass „wie allgemein bekannt ist, keine der 26 Bereiche und Punkte die Infrastruktur hat, um die Guerilleros unter normalen Bedingungen unterzubringen. Sie verbringen die Nacht in behelfsmäßigen Zelten und es ist nicht wahr, dass 80 Prozent der gemeinschaftlichen Bereiche abgeschlossen sind, wie durch das Außenministerium und das Amt des Hohen Kommissars für den Frieden angegeben werden.“
Am Sonntag, den 19. Februar, bekam die ländliche Normalisierungs- und Übergangszone La Elvira Besuch von Fußballern aus den Vereinen  América de Cali und Nacional de Medellín, die ein Freundschaftsspiel im Rahmen der Eröffnung der Sportanlage für den Frieden „Nicolas Fernandez“ durchführten.
In Bogotá fand am 13. und  14. Februar ein Symposium zur „Umfassenden Agrarreform“ statt, in der über die Herausforderungen für die Friedensförderung an der Fakultät für Krankenpflege an der Nationaluniversität diskutiert wurde. Ein wichtiger Punkt war das Thema der Frauen bei der Umsetzung des Friedensabkommens und bei der Agrarreform. Dazu debattierten unter anderem Carmenza Gómez, Präsidentin von ANZORC, Patricia Jaramillo, Professorin an der Nationaluniversität, Olga Lucía Marín, Guerillera der FARC-EP und Raquel Méndez, Repräsentantin für die Universidad Industrial de Santander, die als Moderatorin fungierte.
Die Umsetzung des Friedensabkommens ist in einer komplizierten Situation, so sagt es Enrique Santiago, Anwalt der FARC-EP in einem Interview mit dem Magazin Semana. Wegen des Mangels an Engagement durch den Staat und den Absichten politischer Akteure wie der des Staatsanwaltes Néstor Humberto Martínez, der das bereits Vereinbarte wieder ändern möchte, sieht Enrique Santiago den Friedensprozess akuten Gefahren ausgesetzt.
Einer der Sprecher und Mitglied des politischen Komitees des Südblocks der FARC-EP, beklagt den Mangel an Infrastruktur, Wasser und Strom in der transitorischen ländlichen Normalisierungszone (ZVTN) in Puerto Asís in der Provinz Putumayo. Es gibt auch Gefahr von Seuchen und vier Mitglieder der FARC-EP wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Das Beobachtungs- und Kontrollverfahrens hat erklärt, es gibt kein genaues Datum für die Ankunft von Infrastruktur, aufgrund von Verzögerungen bei Formalitäten und Verfahren in der Hauptstadt Bogotá.
Wie mehrere Kommandeure der FARC-EP in den letzten Tagen sagten, sind die Bedingungen in den transitorischen ländlichen Normalisierungszonen und transitorischen Normalisierungspunkten (ZVTN), in denen sich die FARC-EP sammelt, ihre Waffen niederlegt und sich auf das zivile Leben vorbereitet, mehr als schlecht. Während die Guerilla in großangelegten Operationen ihre Einheiten aus den Vorgruppierungspunkten in die ZVTN bewegt und sammelt, sind dort die Verpflichtungen der Regierung kaum oder gar nicht erfüllt worden. Einige Lager und Zonen sind quasi inexistent. Es gibt keine Unterkünfte, keine Infrastruktur wie Elektrizität und Wasser, keine medizinische Versorgung und auch keine Lebensmittelversorgung. Was also sollen Guerilleras und Guerilleros denken, wenn sie sich gemäß dem Friedensabkommen entwaffnen und in die Gesellschaft wiedereingliedern sollen, die Regierung aber kein Interesse zeigt?
Aktuell kommen aus allen Landesteilen Nachrichten, Bilder und Videos über die Bewegung von Guerillaeinheiten der FARC-EP in ihre jeweiligen transitorischen ländlichen Normalisierungszonen  und transitorischen Normalisierungspunkte. Damit hält die Guerilla ihrerseits ihre Verpflichtungen ein, sich bis zum morgigen Dienstag in den Zonen einzufinden. Es ist der letzte Marsch der Guerilla unter Waffen.
Soziale Organisationen und Menschenrechtsaktivisten sind besorgt über die Untätigkeit seitens der Regierung gemäß ihrer Verpflichtungen bei der Erstellung und Aktivierung von Ermittlungs- und Bekämpfungseinheiten von paramilitärischen Strukturen, die ein Licht auf diejenigen werfen sollen, die hinter den Morden an sozialen Anführer und Menschenrechtsverteidigern in Kolumbien stehen.
Seit dem vergangenen 21. Januar begann ein Zyklus der kolumbianischen Stiftung von ehemaligen Kämpfern und Förderern des Friedens (Fundación Colombiana de Ex-Combatientes y Promotores de Paz – FUCE Paz) von Schulungs- und Informationsmaßnahmen für ehemalige politische Gefangene und Kriegsgefangene der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (FARC-EP), die zu den ersten beiden Gruppen von Guerilleros gehören, die unter der Amnestie freigelassen wurden.
Nach dem Besuch in der transitorischen ländlichen Normalisierungszone in Mesetas in der Provinz Meta, einer von insgesamt 26 Punkten, wo sich die FARC-EP für ihre Wiedereingliederung konzentriert und entwaffnet, war der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier beeindruckt als er sah, wie kolumbianische Streitkräfte und Guerilleros der FARC-EP als ein Team zusammenarbeiten.