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FARC-EP – Eine Armee des Volkes

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Regionale und internationale Beachtung fand der letzte Marsch der FARC-EP unter Waffen. In den letzten Wochen zogen tausende Guerilleras und Guerilleros sowie Milizionäre aus den verschiedenen Lagern und Gebieten Kolumbiens in die Übergangs- und Normalisierungszonen, wo ihre Vorbereitung auf das zivile Leben geschieht und sie ihre Waffen niederlegen sollen. Für viele ist es der Weg in eine unbekannte Zukunft, verlassen sie doch bekanntes Terrain, waren sie über Jahre das Leben als Guerillakämpferin und –kämpfer gewöhnt und diente die Waffe als Schutz gegen ein repressives Regime, das über Jahrzehnte seine politischen und wirtschaftlichen Interessen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigte.

Misstrauen regt sich nun, nicht etwa, weil die Guerilla keinen Frieden will. Der Frieden und eine politische Lösung des bewaffneten und sozialen Konfliktes waren seit jeher Ziel der aufständischen Bewegung. Sie selbst wollen den Frieden und dafür halten sie ihre Versprechen ein, konzentrieren sich in oben genannten Zonen und zeigen den Willen, die Waffen niederzulegen. Misstrauen entsteht, weil die Umsetzung des Friedensabkommens derzeit von Seiten der Regierung mehr als schleppend verläuft. Teilweise sind die Bedingungen in den Übergangs- und Normalisierungszonen prekärer als das Leben zuvor als Guerillera und Guerillero. Das Amnestiegesetz, obwohl im letzten Monat verabschiedet, lässt auf sich warten und der Staat zeigt kein Interesse an Schutz von Guerilla, linker Opposition und lokaler Bevölkerung.

Und doch wurde in vielen Nachrichten zuletzt unterschlagen, wie eng die Verbindung zwischen Guerilla und lokaler Bevölkerung ist. In den Jahren vor dem Friedensprozess wurden die Guerilleras und Guerilleros als Drogenterroristen diffamiert. Ein positives Erscheinungsbild gab es nicht – und falls doch, dann geriet man unter Verdacht der Unterstützung des Terrorismus. Erst im Rahmen des Friedensprozesses, mit der Öffnung der Medien und im Rahmen des Anerkennens der FARC-EP nicht nur als militärischen, sondern vor allem als politischen und sozialen Akteur, gab es eine kritische und wahrheitsgemäße Berichterstattung über den Konflikt und die Guerilla. Nun lasen, sahen und hörten die Menschen, dass die Guerilla Straßen und Schulen baute, Kredite an Bauern vergab, für Ordnung und Sicherheit sorgte und die medizinische Versorgung übernahm. Dienstleitungen, die eigentlich ein fürsorglicher Staat übernehmen müsste.

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So ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich nun die Bevölkerung von der Guerilla verabschiedet. Dies symbolisiert deutlich, dass die FARC-EP eine Armee des Volkes ist und welche Emotionen auf beiden Seiten vorhanden sind. So verabschiedete sich zuletzt die lokale Bevölkerung in der Gemeinde Argelia in der Provinz Cauca von den Guerilleras und Guerilleros der 60. Front „Jaime Pardo Leal“ mit Luftballons, mit Tränen und Lachen und auch mit Plakaten auf denen unter anderem geschrieben stand: „Guerilleros der FARC-EP, Frente 60 Jaime Pardo Leal. Danke für diese 52 Jahre des bewaffneten  Kampfes zur Verteidigung des kolumbianischen Volkes.” Was früher einen medialen Aufschrei verursacht hätte, scheint nun Normalität. Die Bevölkerung dankt einer Organisation, die Teil ihres Lebens ist.

Doch auch in anderen Provinzen zeigt sich die Symbiose der aufständischen Bewegung mit der ländlichen Bevölkerung und widerlegt einmal mehr den von Regierung und Staatsmedien geschürten Mythos einer aufständischen Bewegung ohne soziale Basis. Ähnliches spielte sich in der Provinz Meta ab, als in der Gemeinde Mesetas unter anderem Kinder die Guerilleras und Guerilleros auf ihrem Weg in die Übergangs- und Normalisierungszone grüßten. Auch in Puerto Rosario in der Provinz Putumayo wurden Mitglieder der Guerilla herzlich empfangen. Neben verschiedenen Grüßen war es auch die Möglichkeit, Familienmitglieder und Bekannte wiederzusehen. In vielen Orten konnte die lokale Bevölkerung nun das offiziell tun, was sie zuvor verheimlichen mussten. Sympathie mit den Kämpferinnen und Kämpfern der FARC-EP.

Auch in der Region Catatumbo grüßte die lokale Bevölkerung die vorbeiziehenden Guerilleras und Guerilleros der FARC-EP. Am 4. Februar begann der Transit der 33. Front der FARC-EP in die Übergangs- und Normalisierungszone in Caño Indio.  Die ersten 80 Mitglieder der Guerilla begannen ihren Transit aus der Vorkonzentrierungszone von San Isidro in  Tibú. Am nächsten Tag folgten Einheiten der Guerilla aus dem Ort La Esperanza. In El Tarra stopten sie auf dem kleinen zentralen Platz, wo ihnen von der Bevölkerung ein großer Empfang bereitet wurde. Am Mittwoch, den 8. Februar, verließ die letzte Gruppe von 189 Personen unter dem Befehl des Kommandierenden „Jimmy Guerrero“ ihren Vorkonzentrierungspunkt auf dem Weg nach Caño Indio.

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Nach dem Weggang der FARC-EP kamen jedoch sofort Paramilitärs in die Gebiete und bedrohten und schüchterten die Bevölkerung ein. Aufgrund der Angst der Bevölkerung vor paramilitärischen Gruppen wurden die Guerilleras und Guerilleros sogar von der Bevölkerung aufgefordert, ihr Gebiet nicht zu verlassen und weiterhin Schutz für die Einheimischen zu bieten. Was folgte war ein Treffen der kommunalen Dorfräte der Region mit Einheimischen und Mitgliedern der Guerilla, darunter das Mitglied aus dem Sekretariat des Zentralen Generalstabs der FARC-EP Pastor Alape, mit dem Ziel, den weiteren Transit der FARC-EP nach Caño Indio zu veranlassen, aber sich auch dem Problem des Paramilitarismus und der fehlenden Sicherheit anzunehmen. Dieser Fall zeigt, wie wichtig in bestimmten Regionen die Guerilla als Schutzfaktor für die ländliche Bevölkerung ist.

Auch wenn sich die FARC-EP in einem Prozess der Entwaffnung befindet und zukünftig nicht als militärische Schutzorganisation auftreten wird, so verschwindet sie als Sprachrohr der ländlichen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen nicht von der Bildfläche. Zukünftig soll politisch Druck auf die Regierung ausgeübt werden und der Staat in die Pflicht für seine Aufgaben genommen werden. Ein erstes Bild konnte sich davon in der Gemeinde Uribe in der Provinz Meta gemacht werden. Dort trafen sich Ende Januar Bürgermeister, Delegierte der ländlichen Gemeinden, Mitglieder der verschiedenen Räte, Jugendorganisationen und Vertreter der FARC-EP, um Themen zum Friedensabkommen zu diskutieren. Nach dem Treffen vereinbarte man einen sozialen und politischen Pakt der Versöhnung und des Aufbaus zum Frieden. Was bisher versucht wurde zu verschweigen, zeigt sich nun in der Öffentlichkeit mit aller Deutlichkeit: Die FARC-EP ist eine Armee des Volkes.

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