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54 Jahre Marquetalia - 54 Jahre FARC

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Eine kurzer Artikel in Erinnerung an die Helden Marquetalias und die Gründung der ersten nationalen Guerilla.

Am heutigen 27. Mai, vor 54 Jahren, startete die kolumbianische Armee in Form von 16.000 Soldaten und schwerem Gerät wie Bomberflugzeugen und Brandbomben, mit Unterstützung von US-Militärberatern, eine Offensive gegen die sogenannte „unabhängige Republik“ Marquetalia, ein entlegenes Tal in den zentralkolumbianischen Anden, wohin sich Reste der bäuerlichen Selbstverteidigungseinheiten und liberalen Guerilla aus den Fünfzigerjahren zurückgezogen und das Land bestellt hatten. Während des Bürgerkriegs zwischen den Liberalen und Konservativen hatte der Bauernsohn Manuel Marulanda Vélez ab 1949 Selbstverteidigungsgruppen organisiert, um sich gegen die Angriffe vom Staat und vor allem den konservativen Todesschwadronen zu schützen. Zusammen mit über 40 Genossen entkam Manuel Marulanda, der den Kriegsnamen „Tirofijo“ (sicherer Schuss) angenommen hatte, am 27. Mai 1964 der Armee und bildete die ersten Guerillaeinheiten, die sich 1966 in „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ umbenannten: Die FARC wurden geboren.

Die Offensive der Armee, weitere gab es in Riochiquito und El Pato, erfolgte im Rahmen des
sogenannten Plan LASO (Latin American Security Operation). Für die US-Regierung unter Präsident Lyndon B. Johnson war es im Kontext der bereits von Kennedy initiierten Alliance for   Progress von größter Bedeutung, ein „zweites revolutionäres Kuba“ in Südamerika zu verhindern. Dazu gehörte die Aufstandsbekämpfung und die Auslöschung aller revolutionärer und kommunistischer Ideen. Trotz des massiven Aufgebots war der Militärschlag jedoch ein großer Misserfolg. So gelang den in Marquetalia ansässigen 48 kommunistischen Guerilleros sowie den   in ihrem Einflussbereich lebenden Bauern die Flucht.

Die Unverhältnismäßigkeit, mit der die kolumbianische Armee im Kontext des Kalten Krieges gegen die kommunistischen Enklaven auf ihrem Staatsgebiet vorging, hatte nicht nur den Protest einer Hand voll Intellektueller zur Folge. Nachdem eine Serie ähnlicher Militäroperationen gegen die von der Kommunistischen Partei gesteuerten bäuerlichen Selbstverteidigungsgruppen in den Jahren zuvor bereits zu einer Radikalisierung der Guerilleros beigetragen hatte, führte dieser letzte Schlag unmittelbar zur Gründung einer neuen Organisation: den Südblock der bisher verschiedenen kleinen Guerillagruppen, woraus später die FARC entstanden. Noch während der Operation, am 20. Juli 1964, entwarfen die aus Marquetalia geflohenen Guerilleros ein sieben Punkte umfassendes „Agrarprogramm“, das unter anderem die Enteignung und Neuverteilung brachliegender Ländereien sowie soziale Reformen vorsah. Über die Jahrzehnte hinweg kultivierten die FARC die Erinnerung an Marquetalia, so auch heute.
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